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Faszination Färöer

Ein Bikepacking Abenteuer von Tobias Woggon

Weltenbummler und Abenteurer Tobias Woggon machte sich mit seinem Freund Max Schumann auf den Weg, die Färöer mit dem Gravelbike zu erkunden. Was die Jungs während ihrer Bikepacking-Reise erlebt haben, erfahrt ihr hier. 

Bikepacking auf den Färöer.

 

Zusammen mit Max Schumann und Fotograf Philip Ruopp brach Tobi Woggon nach Färöer auf. 

Färöer - Ein unentdeckter Bike-Spot?

Zum ersten Mal hatte ich von den Färöern zur Sonnenfinsternis 2005 gehört. Dieses Naturspektakel war auf der Erde nur von zwei Orten vollständig zu bewundern: Spitzbergen und Färöer. Philip war damals auf den Färöern, um die Finsternis zu fotografieren. Als er zurück kam, erzählte er begeistert von seinem Trip. Er wollte unbedingt noch einmal dieses unbekannte Fleckchen Erde besuchen.

Von seiner Begeisterung hatte ich mich sofort anstecken lassen. Vielleicht sind die Färöer ja ein unentdeckter Mountainbike-Spot? Meine Reiselust war geweckt. Nachdem er mir die ersten Bilder gezeigt hatte, war klar: Hier müssen wir unbedingt hin! Die grünen Inseln, eingebettet in den dunklen Nordatlantik, übten eine unglaubliche Faszination auf uns beide aus.

 

Inselparadies im Norden

 

Färöer = Schafsinseln

Hauptstadt: Tórshavn

Fläche: 1.395,74 km2

Einwohnerzahl: 51.371 (Stand Jan. 2019)

Gehört zu Dänemark

Gruppe aus 18 Inseln

 

 

 

Biken im Gelände verboten

Ich stürzte mich sofort in die ersten Recherchen und stellte schnell enttäuscht fest, dass Biken im Gelände auf den Färöern verboten ist. Nachdem ich mich aber etwas eingehender mit der Thematik befasst hatte, wuchs auch mein Verständnis für die Situation. Die Population der Inseln umfasst gerade einmal 50.000 Einwohner. Die meisten davon verdienen ihr Geld mit harter Arbeit auf hoher See oder als Landwirt. Nur wenige gehen auf heimischem Boden wandern. Die „Färinger“ betrachten ihr Land als nützlich, nicht aber als besonders schön. Daher gibt es nur wenige Wanderwege, auf denen man sich offiziell bewegen darf. Und das, wohlgemerkt, nur zu Fuß. Schade. Das hielt uns aber nicht davon ab, einen Biketrip auf den Färöern zu planen. Wir entschlossen uns, die Gravelbikes einzupacken und die Färöer vom westlichsten zum östlichsten Zipfel auf offiziellen Wegen zu durchqueren

Google Sheep View - Route planen mit dem Schaf

Normalerweise würde ich einen solchen Trip mit Google Earth vorbereiten und mir die wichtigsten Routen im Vorfeld ansehen. Auf den Färöern gibt’s aber kein Street-View, sondern „Sheep View“. Ja genau, richtig gelesen. Man hat Schafe mit einer 360° Grad Kamera ausgestattet und die Bilder im Word Wide Web zur Verfügung gestellt. Diese witzige Initiative wurde 2017 von Durita Dahl Andreassen, einer Bewohnerin der Färöer-Inseln, ins Leben gerufen. Sie wollte Google auf die in Vergessenheit geratene, kleine Inselgruppe aufmerksam machen. Und siehe da, der US-Konzern war begeistert, und seither kann man über Google Street View die Färöer-Inseln auf den Rücken von Schafen erkunden. Probiert das mal aus!

Mit Turbulenzen ist zu rechnen

Es sind knappe zwei Stunden, die wir im Flugzeug von Kopenhagen bis zu den Färöer sitzen. Und während sich die kleine Inselgruppe im Nordatlantik aus der Luft betrachtet so ruhig und unscheinbar gibt, so merken wir spätestens beim turbulenten Landeanflug, dass der Schein trügt. Den schmalen Betonstreifen an einem Fjord nehmen wir jedenfalls nicht als Landebahn wahr. Der färöische Pilot setzt uns und unsere Bikes allerdings gekonnt auf eben dieser ab.

Da sind wir also. Mitten im Nordatlantischen Ozean, zwischen Schottland und Island. Es ist Mai. Natürlich hatten wir nicht erwartet, mit kurzer Hose Fahrrad zu fahren. Doch das Wetter, das hinter dem Flughafenausgang herrscht, ist anders als erwartet: Ein heftiger Sturm tobt über die Inseln.

Auf Schönwetter warten ist keine Option

Wir sitzen im Bus Richtung Klaksvìk, dem Startpunkt unserer Route. Den Abend verbringen wir damit, unsere Taschen so am Rad zu befestigen, dass sie möglichst wasserdicht sind, denn das Wetter ist auch für die nächsten Tage schlecht vorhergesagt. Wir sind schließlich nicht den ganzen weiten Weg hierher gekommen, um dann in der Unterkunft zu hocken. Also schnappen wir uns am nächsten Tag unsere Räder und wagen uns raus in den Wind. Die erste Route führt uns in einer großen Schleife auf der Straße von Klaksvìk Richtung Norden bis zum westlichsten Ort der Inseln – nach Vidareidi. Immer wieder peitscht uns der Wind ins Gesicht und lässt Regentropfen wie kleine Wasserbomben schmerzhaft auf der Haut zerplatzen. Zum Glück ist im Westen der Inseln kaum noch etwas auf den Straßen los. Immer wieder greift der Wind ins Rad und schleudert uns von links nach rechts und zurück.

Als wir aus einem Tunnel kurz vor dem Dörfchen Havannsund kommen, können wir uns vor lauter Wind kaum noch auf dem Rad halten. Selbst das Atmen fällt schwer. Neben uns stürzt Wasser an einer Wand hinab. Allerdings erreicht es nicht wie gewöhnlich den Boden, sondern wird vom Wind erfasst und mit voller Wucht wieder nach oben gerissen. Es scheint fast so, als würde der Wasserfall verkehrt herum laufen. Nachdem wir am Abend unser Tagesziel erreicht haben, entscheiden wir uns gegen eine Nacht im Zelt. Stattdessen trocknen wir unsere durchweichten Sachen vor der warmen Heizung. Der Wind soll die kommenden Tage genauso stark bleiben, allerdings ist weniger Regen vorhergesagt. Ein kleines Fünkchen Hoffnung! Also machen wir uns am nächsten Tag auf den Weg, die westlichste der drei Hauptinseln zu verlassen und auf die größte Insel „Eysturoy“ zu fahren.

Um die Inseln miteinander zu verbinden, haben die Färöer riesige Tunnelröhren in den Atlantik gegraben, durch die wir nun mit unseren Bikes rollen. 8 km Dunkelheit. Hier und da kommt ein Auto vorbei, erhellt die schwarzen Wände für ein paar Augenblicke, bevor uns die Dunkelheit wieder umhüllt. Es tropft von der Decke. Mit dem Wissen, dass hunderte Tonnen Wasser direkt über unseren Köpfen in den Fjorden liegen, treten wir unweigerlich fester in die Pedale.

Als wir nach ein einer gefühlten Ewigkeit den Tunnel verlassen und uns innerlich schon gegen das wappnen, was wir am Eingang des Tunnels hinter uns gelassen hatten, erwartet uns genau das Gegenteil: Blauer Himmel, wärmende Sonnenstrahlen auf unserer Haut und das Gefühl, plötzlich zurückkehrender Lebensgeister. So macht uns sogar die lange Schiebepassage an der Steilküste von Elduvik nichts aus. Als wir unseren Schlafplatz erreichen, können wir unseren Reiseproviant – Spaghetti Carbonara aus der Tüte – im Trockenen zubereiten, bevor wir uns vollkommen entkräftet in unsere Schlafsäcke verziehen.

Klatschnasser Alptraum

Flatsch. Max dreht sich murrend auf die andere Seite und verkriecht sich tiefer in seinen Schlafsack. Flatsch. Jetzt hat es mich getroffen. Während ich mich halb im Tiefschlaf frage, was gerade mein Gesicht abgeleckt hat, trifft mich die völlig durchnässte Zeltplane noch einmal. Auf meinen Reisen habe ich schon viele ungemütliche Wetter durchgestanden, aber Angst um mich und mein Zelt hatte ich nie. Sturmböen peitschen über uns hinweg. Regen prasselt nicht mehr auf, sondern durch das Zelt. Und das alles, während Max sich noch einmal genüsslich umdreht und einfach weiter schläft!

Wie der nächste Tag für mich aussieht? Genauso, wie man sich einen Tag im Gegenwind nach einer schlaflosen Nacht vorstellt. Die Rettung? Eine Tankstelle am Straßenrand, in die wir total entkräftet einfallen, um die Tanks wortwörtlich aufzufüllen. Selten hat ein labbriger Hotdog besser geschmeckt als hier.

Am Ende wird alles gut

Am letzten Tag krabbeln wir unter der warmen Sonne aus unserem Zelt. Der Wind hat sich gelegt und die Wolken haben sich verzogen. So schauen also die wenigen Sommertage auf den Färöern aus. Wenn auch vom Wetter gebeutelt: Das, was wir heute erleben, ist mehr als eine willkommene Entlohnung für all die Strapazen der letzten Tage. Wir rollen mit unseren Bikes durch grüne Täler, von dessen steilen Hängen kleine Rinnsale bis ins Meer fließen. Wir sehen die berühmten Papageientaucher, die wie kleine Raketen durch die Luft schießen, ins Wasser eintauchen und genauso schnell wieder mit einem Schnabel voller Fische davon flattern. Die Färöer wissen einfach, wie sie sich zu präsentieren haben.

Endlich: Der Instagram Wasserfall

Nach dem letzten Tunnel unserer Reise rollen wir mit den Bikes hinab Richtung Gasadalur, in dem sich der wohl bekannteste Wasserfall der Inseln befindet. Gesehen hat ihn manch einer vielleicht schon auf Instagram (#Gasadalur). Das gleichnamige kleine Dorf war bis 2005 mehr oder weniger von der Zivilisation abgeschnitten. Erst nach der Fertigstellung des Tunnels konnte man mit dem Auto hierher fahren. Zuvor musste alles über einen beschwerlichen Bergpfad oder mit dem Boot an die zerklüftete Küste gebracht werden. Von dort aus geht eine unvorstellbar steile Treppe hinauf zum Dorf. Vieles hat sich seither geändert, nicht aber die Gastfreundschaft der Bewohner.

Am letzten Tag unserer Reise wissen wir nicht, wo wir übernachten sollen und fragen einen Dorfbewohner, wo wir unser Zelt aufstellen könnten. Daraufhin lädt er uns ein, direkt bei ihm im Garten zu zelten. Wie selbstverständlich fragt er uns, ob wir am Morgen einen Kaffee wollen.

Das sind die Färöer: Wind, Wetter und grenzenlose Gastfreundschaft.

Diese Inseln versteht man erst so richtig, wenn man einmal hier war. Die Naturerfahrung ist einfach überwältigend und komplett unberechenbar. Wenn man aber die Kälte, die Schlaflosigkeit und die Nässe vergessen hat, brennt sich ein Bikepacking-Trip auf den Färöern als einmalige Erfahrung ins Gedächtnis ein. Für mich gehören die Färöer zu den schönsten Orten, an denen ich jemals war.

((Alle Fotos von Philipp Ruopp.))

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