German DE
Heroes / NEWS & ERGEBNISSE / Die Alpen unter Strom - Guido Kunze über seinen neuen Rekordversuch

Die Alpen unter Strom - Guido Kunze über seinen neuen Rekordversuch

„Nicht mal der Ojos del Salado in Chile war so hart.“ Wenn ein Typ wie Guido Kunze seinen neuen Rekordversuch so beschreibt, dann sollte man die Ohren spitzen.

 

Zur Erinnerung: 2014 stellte er mit der Befahrung des Ojos del Salado in Chile und den damit verbundenen 7.000 Höhenmetern eine unerreichte Leistung auf.

 

Was also ist passiert?

Eigentlich hatte Guido eine unspektakuläre Tour geplant. Eine Transalp, wie sie jedes Jahr viele Biker machen. Circa 322 Kilometer auf 10.280 knackige Höhenmeter verteilt, sollen ihn von Füssen nach Riva del Garda führen. Dafür plant man Hotel- und Hüttenübernachtungen, nimmt sich einige Tage frei und überlegt, wie man sein Rad so leicht und pannensicher wie möglich hält.

 

Eigentlich. Nicht so Guido.

Der Extremsportler hatte es sich zum Ziel gesetzt die Strecke über die Alpen in einem Stück zu bewältigen. Bewaffnet mit einem GHOST Kato FS 6 AL und einem Rucksack mit den wichtigsten Begleitern, wie Ersatzakku, Ersatznavi und Kleidung zum Wechseln, zog er los um einen neuen Rekord aufzustellen.  Dass seine Tour wirklich spektakulär werden würde, hatte Guido beim Blick auf die Wettervorhersage auch noch nicht geahnt. Auch wenn von Schnee, Regen bis hin zu Sonne alles im Bericht dabei war. Er machte sich mit seinem „zwei Mann“ starken Betreuerteam von Erfurt auf Richtung Füssen, dem Startpunkt der etwas anderen Transalp.

 

Nach dem Motto „der frühe Radlfahrer, knackt die Zeit“ startete Guido gegen 7 Uhr im Stadtzentrum von Füssen auf seine Tour durch die Alpen. Schon auf den ersten Kilometern nach Landeck erahnte er ansatzweise, was ihm bei seiner Tour in den nächsten Stunden noch bevorstand. Die Temperaturen lagen um den Gefrierpunkt und sollten im Laufe der „Schinderei“ auf -12 Grad sinken. Während Guido auf sich alleine gestellt die Kilometer abspulte, hatte auch das Betreuerteam alle Hände voll zu tun. Während der Fahrt hieß es Akkus bis zum nächsten Treffpunkt laden sowie Kleidung und Essen vorbereiten. Dies waren die einfachen Vorbereitungen die getroffen werden mussten. Viel schwieriger gestaltete sich die neue Planung der Strecke, durch den anhaltenden Schneefall war das Überqueren der höchsten Punkte unmöglich. Also hieß es neben dem gedanklichen Übermitteln von positiver Energie, sich auch Gedanken über eine Ausweichstrecke zu machen. Guido währenddessen hatte diese positive Energie bitter nötig, so war er doch acht Stunden alleine in den Bergen unterwegs. Der Schneefall wurde in den folgenden Stunden nach dem Start noch stärker, auf den höchsten Punkten der Route begrüßten Guido bis zu 80 cm Neuschnee. Was einen Wintersportler ein Lächeln ins Gesicht zaubern lässt, lässt die Laune eines Radsportlers mit einer solchen Mission sinken. Guido hatte keine Orientierung mehr, das Navi hatte aufgrund der Minusgrade bereits den Geist aufgegeben, auch die Sicht auf das erste Ersatznavi war durch den anhaltenden Schneefall nicht mehr möglich. Das zweite Ersatzgerät sollte für den äußersten Notfall aus Sicherheitsgründen geschont werden. Beim Tragen seines Rades über zehn Kilometer hatte Guido das Gefühl, als wäre der Weg „nach vorne genauso weit wie zurück“. Während solchen Strapazen, sollte man die Verpflegung nicht ausser Acht lassen, doch bei diesen Witterungsverhältnissen und Temperaturen gab es auch hier Probleme. Das isotonische Getränk hatte sich in einen gefrorenen Zustand verwandelt und die Riegel waren beim zu beißen eher eine Gefahr für die Zähne.

 

Diese körperliche, aber auch psychische Anstrengung zehrte an den Nerven, auch die Option das „Rad liegen lassen und senkrecht den Berg durch den Schnee runterwandern“ spukte Guido durch den Kopf. Aber so schnell gab er, trotz durchnässter und gefrorener Kleidung, nicht auf, er wollte sich nicht „vom Berg besiegen lassen“. Gemeinsam mit seinem treuen Begleiter, dem GHOST Kato FS 6 bezwang Guido die Schneemassen und machte sich von Landeck, mit einem kurzen Abstecher in die Schweiz, auf Richtung Schlanders in Südtirol. Für Italien zeigte zumindest der Wetterbericht eine deutliche Verbesserung. Es sollte trocken und sonnig werden, allerdings stiegen die Temperaturen nur in kleinen Schritten an. Guido lag, aufgrund der wetterbedingten Streckenverlegung und des guten Durchkommens ohne Defekt gut in der Zeit. Den Berechnungen zufolge, sollte sein selbstgestecktes Ziel in 33 Stunden über die Alpen zu kommen ohne Probleme erreicht werden. Da auch Guido's Körper sich nach gewisser Zeit nach einer Pause sehnte, entschied er sich zusammen mit seinen Betreuern einen Zwischenstopp etwa 150 Kilometer vor Riva einzulegen. Zwei Stunden Pause in Malé sollten aber ausreichend sein, um den Körper eine kurze Ruhepause zu gönnen und die GHOST Kleidung trocknen zu können. Mit trockener Kleidung am Leib, nahm Guido nun die letzten Kilometer von Malé in Richtung Gardasee auf. Jetzt konnte ihn nichts mehr stoppen. Das „Ziel“ auf dem ZIENER Bikefestival Riva erreichte Guido völlig erschöpft um 16.30 Uhr und war überglücklich die Strapazen der letzten 32 Stunden hinter sich gebracht zu hab

Sei immer auf dem aktuellsten Stand