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Die schönste Art zu scheitern - ein Tirolcross von Ost nach West

Biken mit Tobias Woggon

Mit den Freunden eine Tour durch die Berge zu machen, ist einfach unbezahlbar, auch wenn nicht immer alles so klappt wie geplant. Das Wichtigste ist, dass man das Beste daraus macht. Ein Reisebericht von Tobias Woggon und seinen Jungs, die Tirol von Ost nach West mit ihren Bikes durchqueren wollten.

Es ist Anfang August und die Sonne brennt vom Himmel als ich mich am frühen Morgen mit Konstantin, Fabian und Max am Achensee treffe. Unsere Bikes sind vollgeladen mit den Dingen, die wir für die nächsten fünf Tage in den Bergen brauchen: Schlafsack, warme Klamotten und natürlich ganz viele Riegel. Fabian und Max haben zusätzlich noch ihr Foto- und Video-Equipment dabei. Während ich froh bin, dass ich alles in meinen Rucksack und in die EVOC Tasche bekommen habe, müssen die Jungs noch ein paar Kilo mehr den Berg hochtragen.

 

Wir starten vom kleinen Hafen am Achensee unseren Weg ins Karwendel. Unser Ziel: der Reschensee. Es geht direkt steil den Berg hinauf. Immer wieder halten Max und Fabian an, um ihre Foto-Ausrüstung auszupacken und Bilder zu schießen. Während ich mich über die kurzen Pausen freue, meint Max zu mir: „Schau mir mal kurz für ein Portrait in die Kamera, so frisch wirst du die nächsten Tage nicht mehr aussehen“, und dabei huscht ihm ein hämisches Grinsen über das Gesicht. Ich muss gestehen, dass ich mir den Tourenverlauf nicht so richtig angeschaut und mich darauf verlassen habe, dass es schon nicht so schlimm wird. Doch in dem Moment als Max mich angrinst, wird mir klar, dass das ein Fehler war.

Quer durchs Karwendel

Am ersten Tag geht es einmal durchs Karwendel Gebirge. Immer wieder zweigen wir vom Hauptweg ab, um auf den schmalen Trails einige Kehren zu fahren und anschließend mit einem Grinsen im Gesicht wieder auf den Schotterweg zu treffen. Da das Gestein im Karwendel aus grobem Geröll besteht und rutschig ist, muss man immer wieder aufpassen, dass man nicht aus der nächsten Kurve fliegt. Als wir kurz vor Seefeld das erste Dorf durchqueren, haben wir schon 2000 hm in den Beinen. Durch die vielen Foto- und Videostopps, bei denen Konstantin und ich unser Rad immer wieder bergauf schieben mussten, um die Kurve, den Sprung oder die Stufe fürs Bild erneut zu fahren, ist es recht spät geworden. Eigentlich steht heute noch ein weiterer Uphill mit 800 hm auf dem Programm. Wenn ich allerdings in die Berge schaue, bedeuten die dunklen Wolken über dem Gipfel nichts Gutes. Ich überrede die anderen Jungs mit meiner ganzen Kraft und Entschlossenheit, den letzten Trail heute auszulassen und direkt nach Innsbruck hinabzufahren. Gerade als wir um die letzte Straßenecke biegen, fängt es tatsächlich an in Strömen zu regnen.

Telefon-Joker im strömenden Regen

Wir entschließen uns, das erste Mal den Telefon-Joker zu ziehen und organisieren uns einen Shuttle, der uns bis zur Alpenvereinshütte ins Kühtai bringt. Aber schon als wir die Tür zu unserem Nachtlager in der Hütte aufschlagen, schwappt uns eine Welle an Regenwasser entgegen, das sich auf dem kompletten Boden des Nachtlagers über mehrere cm verteilt hat. Da hat wohl einer das Fenster offengelassen. Nach langem Hin und Her und durch das beherzte Eingreifen eines Feuerwehrhauptmanns, der schon etwas betrunken an der Bar der Hütte saß, bekommen wir ein neues Zimmer. Kurz nachdem uns das Zimmer zugeteilt wurde, falle ich erschöpft in mein Bett.

Abfahrt 3.45 Uhr

Bevor ich die Augen schließe, schicke ich noch ein Stoßgebet zum Himmel, dass 3:45 Uhr Abfahrt nur ein übler Scherz war und ich etwas länger schlafen kann. Als wir am nächsten Tag kurz vor vier das Haus verlassen, ist das Dorf noch komplett im Tiefschlaf, nur wir vier Personen irren durch die Straßen, bevor wir den Weg auf den Berg finden. Hier oben scheint es, als würde der komplette Berg neu modelliert werden. Überall stehen Kräne, Bagger und LKWs, mit denen unzählige Tonnen an Erde bewegt werden. Das ganze Kühtai wirkt leider wie eine Großbaustelle.

Als wir die Hälfte des Berges bereits hinter uns gebracht haben, müssen wir unsere Bikes schultern und um einen Speichersee herumtragen. Nach weiteren 90 Minuten Tragen erreichen wir den Übergang, über den wir ins nächste Tal abfahren wollen. Leider sind wir etwas spät dran. Das gute Morgenlicht ist schon verschwunden und die Sonne hat sich hinter den aufziehenden Wolken versteckt. Max meint daraufhin traurig: „Tja, da hätten wir auch erst ausschlafen und mittags kommen können.“ Und ich denke mir ‚toll, das sagst du jetzt…‘

Vom Pass aus folgen wir einem recht technischen, aber lustigen Trail hinunter ins Tal. Dort essen wir auf einer Hütte ein anständiges Mittagessen und nehmen die weitere Tourenplanung vor. Die Wettervorhersage für die nächsten Tage schaut nur wenig vielversprechend aus und verschlechtert sich stündlich. Trotzdem entscheiden wir uns, die Tour fortzusetzen und machen uns auf die nächste Teilstrecke von Sölden über das Pitztaler Jöchl zur Braunschweiger Hütte. Als wir den Einstieg am Rettenbachjoch erreichen, ist die Landschaft plötzlich weiß gezuckert und vom Himmel fallen dicke Flocken herab. Fahren ist ab hier nicht mehr möglich, also schultern wir unsere Bikes erneut und tragen sie den Berg hinauf. Dieses Mal ist es aber nicht nur das Gewicht der Bikes und des ganzen Gepäcks, was das Wandern so schwierig machen, sondern der kaum zu erkennende rutschige Trail.

Etappendenken

Nachdem wir kurze Zeit später mit komplett durchnässten Schuhen den Trail wiederfinden, müssen wir einsehen, dass unser Plan unter diesen Bedingungen nicht durchzuführen ist. Deshalb entscheiden wir uns, in Etappen zu denken und uns neue Ziele zu setzen. Unser erstes Ziel ist es, noch vor der Dunkelheit an der Braunschweiger Hütte anzukommen, in der wir die Nacht verbringen wollen. Im Moment der Entschlussfassung, fällt allen merklich der Druck von den Schultern und die Stimmung wirkt sofort wieder gelöster.

 

Als wir kurz vor der Dunkelheit an der Hütte ankommen, schauen uns einige Menschen verwundert durch die Fenster an. Von drei Bergsteigern, mit denen wir unseren Tisch teilen, erfahren wir, dass der Übergang, den wir am nächsten Tag vom Kaunertal in Richtung Reschensee geplant hatten, schon heute Morgen mit einigen Zentimetern Schnee bedeckt war und dass in dieser Nacht sicher noch ein halber Meter dazu kommt. Mit der Erkenntnis, dass wir den Trip nicht über die geplante Route zu Ende führen können, legen wir uns ins Bett.

Mit dem Bus zum Reschensee

Als wir am nächsten Morgen die Augen öffnen, strahlt uns schon die Sonne entgegen, die das schneebedeckte Tal in seiner ganzen weißen Pracht erstrahlen lässt. Während sich viele Wanderer und Bergsteiger um die ersten Plätze im Bad und am Frühstückstisch streiten, haben wir auf einmal gar keinen Stress mehr. Wir gewähren jedem, der hektisch hinter uns steht, den Vortritt und setzen uns gemütlich mit unserem Frühstück auf die Terrasse.

Uns stresst heute nichts mehr. Nach einem ausgiebigen Frühstück schnappen wir uns unsere Bikes und fahren, schieben und tragen diese sogar teilweise ins Tal. Der Weg wäre schon ohne Schnee anspruchsvoll gewesen. Die Sonne strahlt uns wärmend entgegen, während wir durch eine der schönsten Landschaften auf unserem Trip fahren. Nach einigen Stunden schaffen wir es dann auch sicher ins Tal. Eigentlich hätte hier der anstrengendste Teil der Etappe begonnen, da wir unser Bike die 1500 hm bis zum Übergang hätten hinauftragen müssen. Stattdessen setzen wir uns in den Bus und lassen uns ins Tal und anschließend hinauf zum Reschensee bringen.

Zwar haben wir das Ziel der Reise nicht so erreicht, wie wir es eigentlich geplant hatten. Aber trotzdem schmecken der Wein und die Pizza hier oben hervorragend. Außerdem haben wir durch die Verkürzung der Tour einen Tag mehr auf den Drei-Länder-Enduro-Trails. Ohne riesigen Rucksack, Lenkerrolle und wasserdichte Socken in den Schuhen.

 

Text: Tobias Woggon

Fotos: Maximilian Draeger

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