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Tomáš Slavík erobert Südamerika

Der tschechische Gravity-Fahrer über seine zweite Heimat

Kaum ein anderer Name ist mit Urban Downhill Racing so sehr verknüpft wie Tomas Slavik. Der tschechische Gravity-Rider verbringt seit Jahren jeden Winter in Südamerika, um sich dort in Bikeparks unter sommerlichen Temperaturen auf die Saison in Europa vorzubereiten. Mittlerweile ist Tomas so etwas wie ein „Local Hero“ in Südamerika – und das nicht ohne Grund. Von seinem letzten Trip hat Tomas viele schöne Erinnerungen an Land, Leute und Mountainbiken mitgebracht.

Chile - Meine zweite Heimat

Urban Downhill Racing ist mein Steckenpferd – und in Südamerika richtig groß: Die wahnsinnigen Rennen durch Millionen-Städte sind bei den Einheimischen unglaublich beliebt. Sie werden von bis zu fünf Millionen Zuschauern im Fernsehen verfolgt – mehr als bei der Rallye Dakar. Und jedes Rennen artet zu einem einzigen Spektakel aus. Aber nicht nur deswegen bin ich dort so gern am Start. Südamerika ist mir wirklich ans Herz gewachsen, und ich freue mich, euch zu erzählen, warum das so ist.

Jeden Winter zieht es mich auf die Südhalbkugel. Fernab vom europäisch-grauen Winter kann ich hier unter sommerlichen Bedingungen perfekt trainieren. Während ich mich bei den letzten Trips eher auf mich selbst und das Rennfahren konzentrierte, durfte ich dieses Jahr das Downhill-Trainingscamp „Red Bull Del Cerro al Barrio“ in einem chilenischen Bikepark leiten. Wir trainierten täglich von morgens bis mittags und dann wieder am Nachmittag. Als sprichwörtliches Sahnehäubchen endete das Camp mit einem kleinen Wettkampf, dessen Sieger eine Wildcard für den Start beim „Red Bull Monserrate Cerro Abajo“ in Kolumbien erhielt.

Die MTB Community in Südamerika

Nur eine Hand voll Leute in Europa oder Nordamerika können sich vorstellen, wie sich die Mountainbike Community in den Ländern Südamerikas entwickelt hat. Allein in Chile ist dieser Sport in den letzten Jahren rasant gewachsen, und in Santiago hat man manchmal den Eindruck, dass jeder zweite Pick-up mit Downhill Bikes oder Enduro Rädern beladen ist. In den letzten acht Jahren, in denen ich nach Chile gereist bin, war die positive Entwicklung im Land nicht zu übersehen. Früher gab es kaum Mountainbiker, die schnell genug waren, um mit den Pro-Ridern mithalten zu können. Aber das hat sich mittlerweile geändert: Beim Trainingscamp im Bikepark begleiteten mich mindestens zehn Leute. Und letztes Jahr gewann ein Chilene das Urban Downhill Race in Valparaíso – Pedro Ferreira. Er ist der beste chilenische Downhill Biker und in seiner Heimat ein echter Star.

Mein heftiger Sturz in 2019

Im selben Jahr hatte ich einen bösen Sturz in Valparaíso und war fünf Minuten lang bewusstlos, nachdem ich mit dem Kopf auf das Pflaster geknallt war. Beim Aufprall wurde meine GoPro Kamera vom Helm gerissen, flog über einen Zaun und landete im Garten eines Ehepaares. Sie beobachteten den Unfall und machten sich Sorgen um meinen Gesundheitszustand. Nach dem Rennen suchten sie Kontakt zu den Organisatoren und wollten partout nicht eher gehen, bis ihnen versichert wurde, dass die GoPro an mich zurückgegeben wird. Sie wollten wissen, ob es mir gut geht, und sichergehen, dass ich nicht verletzt bin.

Ein herzliches Wiedersehen

Weil es in Chile letztes Jahr zu schweren Unruhen kam und unklar war, wie sich die Situation entwickeln würde, wurde das diesjährige Rennen in Valparaíso abgesagt. Aber da es mir dort so gut gefällt, schauten wir trotzdem vorbei. Wir fuhren zum Ort meines Unfalls und plötzlich kam ein Mann auf mich zu. „Hallo, Sie müssen Tomas sein!“ Er stellte sich als Gerard vor – der Mann, der letztes Jahr meine Kamera gefunden hatte! Er umarmte mich und fragte, wie es mir geht. Er war unglaublich warmherzig. Wir plauderten etwa eine Stunde lang. Für manche mag das nur ein Augenblick sein, ein Wimpernschlag, aber für mich war es eine große Geste und ein schönes Beispiel dieser tollen chilenischen Mentalität.

Geliebtes Valparaíso

Zu dieser Stadt habe ich eine sehr persönliche Beziehung. Die Urban Downhillstrecke, die Zuschauer und die fantastische Atmosphäre – so etwas findet man sonst nirgends auf der Welt. Selbst der beste Downhill World Cup ist nichts im Vergleich dazu. Überall sind Hunde unterwegs, die Wände sind mit Graffiti bemalt und an jeder Ecke befindet sich ein Musikclub. Das ist für mich wahre Kultur. Die Einheimischen sind unglaublich herzlich, viele von ihnen kennen mich. Es gibt beispielsweise eine Frau, die in den letzten fünf Jahren jedes Mal ein Foto von sich, ihrem Hund und mir gemacht hat. Wegen der Menschen in Valparaíso habe ich angefangen, Spanisch zu lernen, was mir richtig viel Spaß macht. Das nächste Mal, wenn ich wieder dort bin, werde ich mich mit den Leuten in ihrer Muttersprache unterhalten können.

Chimuelo – mein chilenischer Spitzname

In meiner Heimat Tschechien habe ich verschiedene Spitznamen. Als kleiner Junge auf meinem BMX Bike krachte ich einmal mit meinem Kopf gegen einen Baumstamm. Meine Freunde gaben mir deshalb den Spitznamen „Datel“ (Specht). Andere nennen mich Slava, was von meinem Nachnamen abgeleitet ist. Auch in Chile habe ich einen Spitznamen. Wenn die Leute mich auf der Straße sehen, rufen sie mir „Chimuelo, Chimuelo!“ zu. Diesen Namen habe ich wegen eines Fernsehinterviews bekommen, das ich vor Jahren gab. Es muss das zwanzigste Interview nacheinander gewesen sein, und ich wurde gefragt, ob ich irgendwelche Assoziationen zu Chile hätte.

Ich sagte, dass es mir leidtäte, was mit Chimuelo passiert sei. Damit bezog ich mich auf ein YouTube-Video: Ein kleiner Junge hatte die Beerdigung seines Wellensittichs Chimuelo mit seinem Handy gefilmt. Er hatte ein Grab für seinen Vogel gegraben, und als er ihn endlich beerdigen wollte, kam ein Hund von Gott weiß woher, schnappte sich Chimuelo und wollte gerade weglaufen. Aber das ließ dieser kleine Junge nicht zu. Er packte den Hund, zog dessen Kiefer auseinander und holte den armen Vogel aus dem Hundemaul heraus. Davon habe ich in dem besagten Fernsehinterview erzählt und seitdem bin ich unter dem Namen Chimuelo bekannt.

Die drei besten MTB Spots in Chile

Die letzten Winter habe ich alle in Chile verbracht. Während die Bedingungen in Europa von Dezember bis zum Beginn des Frühjahrs zu wünschen übrig lassen, ist es auf der Südhalbkugel Sommer. Wenn ich die besten Bikespots nennen müsste, würde ich die folgenden drei Highlights nennen:

Bikepark Nevados de Chillan – der schönste Ort und ein großartiges Skigebiet, das im Winter perfekten, trockenen Pulverschnee bietet. Es liegt circa 480 Kilometer von Santiago entfernt, also etwa sechs Stunden Autostunden. Dort gibt es einen Bikepark mit drei Seilbahnen. Das Besondere an diesem Ort ist der außergewöhnliche Boden, der auch unter der Bezeichnung „Antigrip“ bekannt ist. Weil er den Reifen keine Traktion ermöglicht, ist es schwierig, das Bike unter Kontrolle zu halten, aber wenn man fährt, wirbelt man eine riesige Staubwolke hinter sich auf. Das sieht dann echt dramatisch aus, weshalb im Bikepark viele Bilder für den GHOST Katalog gemacht wurden. Fotograf Jan Kasl ist geradezu verliebt in diesen Bikepark.

La Parva ist ein Gebiet mit unzähligen Trails. Es befindet sich direkt in Santiago und man fährt mit seinem Bike in einer Höhe zwischen 3000 und 3500 Meter. Die dortigen Trails sind episch lang, die Abfahrten dauern teilweise bis zu einer halben Stunde. In dieser Höhe bedeutet das beinharte Arbeit und massig Schweiß. Überall Steine und Staub, die Trails sind sauschwierig, aber einfach grandios. Es ist das Mekka für Enduro-Fahrer. Hier wird nicht nur eine Runde der Enduro World Series ausgetragen, sondern mit dem „Andes Pacifico“ auch alljährlich das berühmteste Enduro-Einzelrennen.

Matanzas – eine atemberaubende Landschaft direkt am Meer. Die meisten heimischen Trails beginnen auf den Gipfeln der Berge und führen durch steile Hänge hinunter zu den Sandstränden. Obwohl sie über Privatgrundstücke verlaufen, stört es niemanden und keiner beschwert sich über Mountainbiker.

Red Bull Monserrate Cerro Abajo - Racing in Bogotá

Nach dem Trainingscamp und anderen Freeride-Abenteuern stand das Urban Downhill Race „Red Bull Monserrate Cerro Abajo“ in Bogotá auf dem Plan. Nach einem sechsstündigen Flug aus Santiago landeten wir in Kolumbiens Hauptstadt. Das Cerro Abajo gilt als das anspruchsvollste der Welt. Aufgrund seiner Länge von 2,4 km steht es als längstes Urban Downhill Race sogar im Guinness-Buch der Rekorde. Der Track besteht aus 1.605 hohen und scharfkantigen Stufen, die sich in endlosen, engen Serpentinen den Berg hinab winden. Die Strecke, die von den Fahrern meist mit Downhill Bikes bewältigt werden muss, wird von vielen Einheimischen als heilig angesehen, weshalb es regelmäßig zu Kontroversen kommt. Manche finden das Rennen dort genial, andere möchten es lieber anderswo organisiert sehen.

Als ich dort ankam, wurde ich zum Favoriten erklärt, worüber ich nicht besonders glücklich war. Normalerweise benötige ich für jede Rennstrecke mindestens fünf Abfahrten, um sie verinnerlicht zu haben und mich darauf wohl zu fühlen. Hier hatte ich jedoch nur anderthalb Trainingsfahrten mit meinem Bike absolviert. Denn Marcelo Gutierrez, der Sieger das Vorjahres, hatte mir geraten, meine Kräfte zu schonen. Also ließ ich es in der Qualifikation ruhig angehen, studierte die Hindernisse und wurde Neunter. Ich hatte meine Energie für den Finallauf gespart und schaffte es auf diese Weise, die schnellste Zeit zu fahren. Noch nie in meinem Leben hatte ich so stechende Schmerzen verspürt. Deine Lungen und Beine schreien nach Sauerstoff und schon nach einer Minute willst du eigentlich nur noch vom Rad steigen und aufgeben. Doch du weißt, dass du das noch vier Minuten lang durchhalten musst. Im weiteren Verlauf fing es an zu regnen, was die Bedingungen für das Hauptfeld wesentlich erschwerte. Am Ende habe ich zwar gewonnen, aber ehrlich gesagt mag ich es lieber, wenn gleiche Bedingungen für alle herrschen.

Als ich im Rampenlicht stand, sah ich zu, wie andere Fahrer crashten und stürzten. Und anstatt mich über den Sieg zu freuen, war ich froh, dass niemand ernsthaft verletzt wurde. Aber andererseits bin ich selbst schon viele Rennen gefahren, bei denen es umgekehrt war und ich unter schwierigsten Bedingungen fahren musste. So ist es nun einmal im Outdoor-Sport. Als ich drei Tage danach in ein Flugzeug stieg, hatte ich Krämpfe in Muskeln, von denen ich noch nie vorher gehört hatte. Dieses großartige Rennen ist eine ganze Klasse härter ist als alles, was ich je zuvor durchstehen musste.

Tomas Slaviks Race Mountainbike

Normalerweise fahre ich ein GHOST SL AMR X 29 mit 160 mm Federgabel und 145 mm Dämpfer. Aber das Cerro Abajo in Bogotá ist anders. Es ist hart und schnell und die hohen Treppenstufen fühlen sich ähnlich an wie der Belag einer Downhill-Strecke. Deshalb habe ich mich in diesem Fall für das FR AMR 27 Freeride Bike entschieden. Dieses Mountainbike besitzt mit 180/170 mm nicht nur einen größeren Federweg, ich habe das Fahrrad außerdem mit Downhill-Bremsen und -Felgen sowie einer Downhill-Schaltung ausgerüstet. Da die Gassen des Kurses eng und von Mauern gesäumt sind, bin ich mit einem 75 cm breiten Lenker gefahren. Aufgezogen habe ich Reifen mit einer sehr weichen Mischung, die eine optimale Traktion garantiert: Maxxis Assegai am Vorderrad und Maxxis Minion DHR am Hinterrad. Auf diese Weise habe ich das perfekte Crossover-Mountainbike aus Downhill und Enduro geschaffen, das selbst die größten Schläge einwandfrei schluckt, aber wie eine Rakete schnell beschleunigt, wenn es auf flache Streckenabschnitte geht.

Ein Paradies für Gourmets

Südamerika ist zwar berühmt für seine Steaks, aber auch die dortigen Meeresfrüchte und der Fisch sind köstlich. Das chilenische Nationalgericht ist Ceviche, eine Speise aus rohem Fisch, mariniert in Zitronen- oder Limettensaft und gewürzt mit Zwiebeln, Chilischoten und anderen Zutaten. Für mich bietet Südamerika eine abwechslungsreiche Küche, mit vielen Gerichten, die auf dem Herd oder Grill zubereitet werden. „Bandeja Paisa“ heißt das Essen, das ich in Kolumbien am meisten gegessen habe. Wenn du ein solches Gericht vor dir stehen hast, glaubst du, dass darin alles enthalten ist, was der Koch in der Speisekammer finden konnte: Bohnen, Steak, Pfannkuchen, Schweinebauch, Avocado, Reis und Spiegeleier. Es ist unheimlich deftig und zugegebenermaßen auch ziemlich fett – ich würde es nicht vor einem Wettkampf essen – aber es ist wahnsinnig lecker.

Der südamerikanische Lebensstil

Immer wenn ich nach Europa zurückkehre, dauert es einige Zeit, bis ich mich wieder an den hektischen Lebensstil gewöhnt habe. Das Leben in Südamerika ist nämlich ganz anders. Die Menschen sind total entspannt, sie konzentrieren sich auf die wichtigen Dinge, verbringen Zeit mit ihren Familien und genießen ihr Leben. Es ist zweifellos der krasse Gegensatz zu Europa, wo wir häufig zehn Stunden im Büro sitzen und uns dann darüber beklagen, nicht genug Zeit zu haben. Ich habe immer so schöne Erinnerungen an Südamerika und freue mich jedes Mal wie ein Kind, wenn es dorthin geht. Mein letzter Besuch in Chile war jedoch von der revolutionären Stimmung geprägt, die ganz Chile durchdrungen hat. In den Straßen kam es zu Verwüstungen, Geschäfte wurden geplündert ... Es war ein trauriger Anblick für mich, die brennenden Straßen und die verfallenden Städte zu sehen, aber ich bin der festen Überzeugung, dass die Armee und die Polizei bald durch ganz normale Menschen ersetzt werden, die ihr alltägliches Leben wieder in vollen Zügen genießen.

((Fotos von Jan Kasl.))

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